Nach vielen Jahren fand am vergangenen Sonntag in Gramschatz wieder ein Grenzgang statt. Der Einladung von Bürgermeister Torsten Keller und Obmann Martin Winkler waren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Auch Siebener aus Rimpar und Maidbronn sowie Jens Müller vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Würzburg, der für die Gemeinden rechts des Mains im Landkreis Würzburg zuständig ist, nahmen an dem besonderen Tag teil.
Gestartet wurde am Feuerwehrhaus in Gramschatz. Von dort brachte die Feuerwehr Gramschatz mit ihrem Mannschaftswagen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Würzburger Straße. Auch der Bauhof war mit dem Bürgerbus im Einsatz. Von der Würzburger Straße ging es zu Fuß entlang der Gramschatzer Gemarkungsgrenze weiter. Insgesamt legten die Teilnehmer rund zehn Kilometer zurück.
Auf dem Weg gab es viel zu sehen und vor allem viel zu erfahren. Der Obmann und die Siebener berichteten anschaulich über die Geschichte der Gramschatzer Flur, die Grenzverläufe und die Bedeutung verschiedener Grenzzeichen. Dabei wurde deutlich, wie viel Geschichte sich noch heute direkt in der Landschaft entdecken lässt.
So wurde den Teilnehmern unter anderem die alte Retzstadter Straße gezeigt. Lediglich ein „Graben“ im Gelände erinnert noch an den früheren Straßenverlauf.
Ein weiterer besonderer Punkt war die Laueiche. Sie steht an der Grenze zwischen der Gemarkung des Bayerischen Staatsforstes und der Gemeinde Arnstein. Die Laueiche ist ein typischer Grenzbaum, wie er bereits vor dem 16. Jahrhundert anstelle von Grenzsteinen üblich war.
Auch verschiedene Gemarkungssteine wurden während des Grenzgangs näher betrachtet. Die Teilnehmer erfuhren, was die historischen Inschriften auf den Steinen bedeuten. So steht beispielsweise die Abkürzung „KW“ für „Königlicher Wald“. Besonders interessant war ein alter Stein des Königlichen Waldes, an dem noch eine Einkerbung zu erkennen ist. Diese zeigt an, in welche Richtung die Grenze weiterverläuft.
Auch die Geschichte der teilweise nummerierten Gemarkungssteine wurde erklärt. Eine solche Nummerierung war früher mit Kosten verbunden etwas, das sich die Gramschatzer seinerzeit nicht leisten konnten.
Natürlich stand auch die Arbeit der Feldgeschworenen im Mittelpunkt des Grenzgangs. Das Amt der Feldgeschworenen zählt zu den ältesten kommunalen Ehrenämtern und reicht bis ins späte Mittelalter, in das 12. und 13. Jahrhundert, zurück. Zu den Aufgaben der Siebener gehören unter anderem die Grenzabmarkungen gemeinsam mit dem Vermessungsamt, die Pflege und Überwachung der Grenzen und Grenzzeichen sowie die Vermittlung zwischen Vermessungsamt und Grundstückseigentümern. Auch der Grenzgang selbst gehört zu ihren traditionellen Aufgaben. Der Obmann vermittelte hierzu viel Wissenswertes und Interessantes und gab den Teilnehmern einen guten Einblick in ein Ehrenamt, das eng mit der Geschichte und der Entwicklung einer Gemeinde verbunden ist.
Der Grenzgang bot außerdem Gelegenheit, sich die Dimensionen der eigenen Gemarkung bewusst zu machen. Die erste urkundliche Erwähnung von Gramschatz stammt vom 20. Januar 722, damals unter der Bezeichnung „Cramphesnesta“, was sinngemäß mit „krumme Schneise“ oder „krummer Weg“ erklärt wird. Der Ortsname änderte sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach, bis sich 1661 die heutige Bezeichnung Gramschatz durchsetzte.
Gramschatz liegt auf einer Höhe von rund 348 Metern und umfasst eine Fläche von etwa 8,8 Quadratkilometern. In der Gemarkung gibt es rund 1.666 Flurstücke, darunter Baugrundstücke, landwirtschaftliche Flächen und Wald. Die durchschnittliche Flächengröße beträgt etwa 5.400 Quadratmeter. Die Flurbereinigung wurde in den Jahren 1954 bis 1957 durchgeführt. Die Grenze rund um die Gramschatzer Flur und den Wald ist insgesamt rund 27 Kilometer lang.
Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Am Grillplatz Ochsengrund gab es eine Trinkpause. Später warteten am Parkplatz am Waldrand in Richtung Retzstadt Kuchen und Getränke auf die Wanderer. Als dort der Regen einsetzte, tat dies der guten Stimmung keinen Abbruch und es ging munter weiter.
Zum Abschluss kehrten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Feuerwehrhaus Gramschatz ein und ließen den ereignisreichen Tag in gemütlicher Runde ausklingen.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen fleißigen Helferinnen und Helfern, die diesen besonderen Tag vorbereitet, begleitet und mit viel Engagement zu seinem Gelingen beigetragen haben.
Nach mehr als 40 Jahren wurde eine alte Tradition wieder lebendig und gemeinsam zu einem schönen und besonderen Tag für Gramschatz gemacht.