Markt Rimpar

Workshop „Seniorenpolitisches Gesamtkonzept“

Die Bedeutung der Seniorenhilfe in den Kommunen steigt. Gründe hierfür sind u.a. die demografische Entwicklung, die Mobilität der jungen Bevölkerung und die medizinischen Möglichkeiten der Lebensverlängerung. Die Daseinsvorsorge beschränkt sich dabei nicht nur auf die Unterstützung im Pflegefall. Seniorengerechte Wohnungen, die passende Infrastruktur (insb. Einkaufsmöglichkeiten, Öffentlicher Personennahverkehr) sowie Betreuungsangebote sind die besonderen Herausforderungen an die Gemeinden.

Um das Thema der Seniorenhilfe in Rimpar näher zu beleuchten lud Rimpars Bürgermeister Bernhard Weidner zum Workshop für ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept in Rimpar ins Schloss. Als Referenten waren Tobias Konrad vom Kommunalunternehmen und Dr. Hanspeter Buba vom Basis- Institut aus Bamberg gekommen. Beide waren maßgeblich an der Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts für den Landkreis und die Region Würzburg 2022 beteiligt. Dazu haben sie unter anderem auch Daten speziell für Rimpar gesammelt. Diese Daten wurden im Workshop erläutert: „Dabei ist Rimpar die erste Kommune im Landkreis, auf die das Konzept „heruntergebrochen“ wurde“, freuten sich Konrad und Dr. Buba über das Interesse.
Für das Konzept des Landkreises wurden in einer systematischen Zufallsauswahl insgesamt 5000 Landkreisbürger und -bürgerinnen ab einem Alter von 55+ befragt. Die Daten für Rimpar wurden auf der Grundlage von 66 Befragten erhoben, was lt. Dr. Buba innerhalb einer gewissen Bandbreite als repräsentativ bezeichnet werden kann.

Wohlwissend, dass ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept nur eine Momentaufnahme sein kann, wurde die demographische Entwicklung von 2018 – 2038 in Rimpar aufgezeigt. Demnach wird der Anteil der über 65-Jährigen von 1600 auf 2100, d.h. von 21% auf 29% steigen, der Anteil der Demenzkranken um 38 % von 160 auf 224 und der Anteil der Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 30 um 34% von 540 auf 740. „Es wird viele „Junge Alte geben““, so Dr. Buba. „Dabei leben beileibe nicht alle in stationären Einrichtungen. Hier ist die häusliche Pflege die dominante Form. Das ist auch ein Problem, da die Angehörigen sehr, sehr stark belastet sind.“
Der Altersaufbau in Rimpar zeigt einen stattlichen „Bauch“ bei den 50 – 60-Jährigen. Der Seniorenindex liegt in Rimpar bei 1, d.h. die „Bedeutung“ der Senioren liegt momentan im mittleren Bereich und steigt auch nicht sonderlich stark. In den nächsten 10 Jahren wird die Zahl der „jungen Alten“ ansteigen. Diese werden dann wieder weniger und die Zahl der Hochbetagten wird steigen. „Deshalb sollten die nächsten 10 Jahre genutzt werden, u.a. um Ehrenamtliche zu aktivieren. Das wäre eine tolle runde Sache“, so Buba.

slz marrim spgk demografie 2022Quelle: Basis Institut Bamberg

Thema war auch die hausärztliche Versorgung. Doch auch hier ist man in Rimpar gut aufgestellt. Die Hausarztdichte liegt zwischen 0,62 und 1,24. Die Ärzte, die jetzt in den Ruhestand gehen, haben alle Nachfolger. Fachärzte sind durch Rimpars Stadtnähe gut erreichbar, insgesamt also eine gute Situation.

Viele der über 85-Jährigen benötigen eine Gehilfe, so ist auch für diese Gruppe die Barrierefreiheit wichtig. Hier steht Rimpar, lt. Dr. Buba im Vergleich zu anderen Gemeinden gut da. „Wenn gebaut wird, dann barrierefrei, das ist klar,“ so Bürgermeister Bernhard Weidner, „unser Budget gibt es aber leider nicht her, intaktes Vorhandenes einfach so umzubauen.“
Sehr gelobt wurde die Arbeit der Interessenvertretung der Rimparer Senioren, der Seniorenrat. Seine Mitglieder werden gewählt und sind im Ort gut bekannt. Er bietet viele auf die Senioren zugeschnittene (Hilfs-) Angebote an. So gibt es ein Tanzkaffee, es werden Ausflüge geplant und auch Beratungsangebote organisiert. Oft wird die Hilfe aber nicht von den Älteren angenommen. „Diese Generation wurde noch anders erzogen, sie tut sich schwer Hilfe anzunehmen“, weiß auch Tobias Konrad vom Kommunalunternehmen. „Oft schämen sie sich Hilfe anzunehmen, der Grund manchmal auch, weil man sich kennt und ein anderer aus dem Ort, dann weiß, dass man Hilfe angenommen hat“, waren sich die Anwesenden einig.
Bei der Umfrage unter den Rimparern wurde auch danach gefragt, wie sie wohnen möchten. Dabei war bei der Mehrheit der 66 Befragten barrierefreies Wohnen der Renner. Danach folgten das Hausgemeinschaftsmodell und das betreute Wohnen. Um hier gesicherte Zahlen zu bekommen, sind lt. Dr. Buba noch gezielte Umfragen nötig.

Ein wichtiger Punkt der klar zur Sprache kam war dabei auch, dass es in Rimpar kein Seniorenzentrum gibt, evtl. würden die Betroffenen in ein Rimparer Seniorenzentrum gehen, wollen aber nicht in ein Seniorenzentrum außerhalb. Immer attraktiver wird wohl die „Ambulant betreute Wohngemeinschaft“. „Diese Form des Wohnens ist vergleichbar mit einer Studenten-WG“, klärte Konrad auf, „das Wohnkonzept muss selbstbestimmt sein.“ Hier gibt es maximal 12 Plätze, ein Selbstbestimmungsgremium bestimmt selbstständig wer Dienstleister ist, ob man selbst kocht oder einen Caterer beauftragt, ob eine Versorgung durch den ambulanten Pflegedienst, der die Betreuungsleistung meist anbietet, gewünscht ist. Es gibt keinen Träger. Der Träger sind die Mieter selbst, sie legen am Anfang fest, wie sie dort leben wollen. Modelle hierfür gibt es z.B. in Rottendorf.

Ein Problem im Alter ist die Schrumpfung des Netzwerkes. Der Verlust des Ehepartners, Kinderlosigkeit oder die fehlende Erreichbarkeit der Kinder nehmen zu. Dazu kommt der steigende Unterstützungsbedarf im Alltag, sei es beim Einkaufen oder kleinen Reparaturen, aber man will keinem „zur Last fallen“.

Doch was möchte jemand der Pflege braucht? „Er will Menschen, die sich um ihn kümmern“, wird Dr. Buba gegen Ende des Vortrages deutlich. Dafür müssen die Rahmenbedingungen des Arbeitens in den Pflegeberufen angepasst werden. Nur mit „Klatschen“ auf den Balkonen kommt man hier nicht weiter. Der Fachkräftemangel zeigt bereits seine Auswirkungen. Evtl. könnte auch die Aktivierung von Ehrenamtlichen, die in Absprache mit den ambulanten Diensten Pflegeleistungen übernehmen sinnvoll sein.

Der Workshop gab einen guten Überblick über verschiedene Themen in der Seniorenhilfe, die nach und nach angegangen werden müssen. Bei der anschließenden Diskussion wurde ein Punkt aber besonders deutlich. Ein Seniorenzentrum in Verbindung mit Kurzzeit- und Verhinderungspflege wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Weiter wurden noch Verbesserungsmöglichkeiten bei Einkaufshilfen, dem ÖPNV in Gramschatz und bei digitalen Unterstützungsangeboten angeregt. Insbesondere letzteres könnte ein generationenübergreifendes Projekt sein, das z.B. mit Facetime, etc. gegen die Einsamkeit der Älteren helfen kann.

slz marrim praesentation spgk 2022Quelle: Basis Institut Bamberg

Die Präsentation “Seniorenpolitisches Gesamtkonzept insbesondere Rimpar” ist hier einzusehen, das seniorenpolitische Gesamtkonzept für den Landkreis Würzburg unter folgendem Link: https://www.kommunalunternehmen.de/beratung-unterstuetzung/seniorenpolitisches-gesamtkonzept/m_2745