Markt Rimpar

Rimparer Wald ist ein Schatz, den uns die Vorfahren hinterlassen haben (Christian Ammon, Mainpost)

Die Gemeinde Rimpar will mehr aus ihrem Wald machen. Er soll attraktiver für Erholungssuchende, in seinem ökologischen Wert gestärkt und der Holzeinschlag verringert werden. Er soll jedoch auch mehr Geld erwirtschaften. Was nach einem Widerspruch klingt, ist Ziel der Forsteinrichtung für die kommenden 20 Jahre. Die Leitlinien und die genauen Zahlen stellte nun Forstwirt Leo Egg in einer Ausschusssitzung vor.

Ein wichtiger Teil der Arbeit des Forstexperten war es, die Geschichte und Entwicklung des bis zu 200 Jahre alten Waldes zu erfassen. Ohne diese Erkenntnisse ist das heutige Erscheinungsbild des etwa 730 Hektar großen Walds nicht zu verstehen. Mit einer “sehr behutsamen Herangehensweise” will er die gewachsenen Lebensraumgemeinschaften erhalten und verbessern. Hierzu plant er, den Holzeinschlag um weitere 500 Festmeter auf dann 3200 Festmeter zu reduzieren. Auch plant er eine große Anzahl an Neuanpflanzungen: Etwa 10.000 Bäume sind seiner Berechnung nach im Jahr nötig, um einen gesunden Mischwald zu schaffen. Für ein Drittel des Waldes sieht er dringenden Pflegebedarf. Auch ist wohl ein dritter Waldarbeiter nötig.

Die Fichte ist weitgehend verschwunden

Der Rimparer Wald hat sein Gesicht zuletzt in nur wenigen Jahren rasant verändert. Die Fichte ist weitgehend verschwunden. Der Nadelholz-Anteil damit von 30 auf 17 Prozent eingebrochen. Diese wurden von den 1950er bis in 1970er Jahre in großer Zahl angepflanzt, um die hohe Nachfrage in den Wirtschaftswunderjahren gerecht zu werden. Schwerer wiegt, dass sich auch die Eiche auf dem Rückzug befindet. Auffallend ist, dass die Eichenbestände überwiegend über 80 Jahre alt sind. Es gibt viele alte und oft auch hochwertige Eichen. Egg erklärt dies mit der Mittelwaldwirtschaft für die Brennholzgewinnung, die bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im Rimparer Wald die Wirtschaftsweise geprägt hat, und der Eichelmast. Der Wald war Jagdgebiet, ähnlich wie im Spessart.

Sorgen bereitet jedoch die Waldverjüngung. In den letzten 40 Jahren hat der Anteil der Buchen und der Edellaubhölzer wie Feldahorn, Wildkirsche oder Elsbeere deutlich zugenommen. Die Eiche dagegen ist als “Lichtbaumart” auf der Strecke geblieben. Dabei gilt sie hierzulande als “Königsbaumart”, die dem Klimawandel standhalten kann. Auch sind die alten Eichen-Wälder ebenso wie die ebenfalls alten Buchenwälder ökologisch von hoher Bedeutung. Egg nennt dies “den Schatz, den ihnen ihre Vorfahren hinterlassen haben”.

Als Wasserschutzgebiet ausgewiesen

Die Neuanpflanzungen ebenso wie die Pflege und Verjüngung dieser alten Wälder ist jedoch besonders aufwendig. Ein wichtiger Punkt in der Diskussion im Anschluss war denn auch die Finanzierung. Hatte noch die Zwischenrevision von 2010 das Ziel, die Verluste abzusenken. So steht für Bürgermeister Bernhard Weidner fest, dass der Rimparer Wald nicht kostendeckend zu bewirtschaften ist. Er setzt auf eine andere Geldquelle, staatliche Zuschüsse. Dabei kann er auf eine ganze Reihe von Besonderheiten verweisen. Der Wald ist zu einem großen Teil ein streng geschütztes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet. Auch sind insgesamt 112 Hektar als Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Dass Wäldern beim Klimaschutz eine entscheidende Rolle zukommt, ist ohnehin unumstritten.

Ähnlich wie bei Flächenstilllegungen in der Landwirtschaft hofft Weidner auf staatliche Ausgleichszahlungen. “Der Wald leistet einiges für das Gemeinwohl, dafür steht ihm dann auch etwas zu”, erklärt er. Nähme der Wald am Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten teil, könnte sich Rimpar wohl tatsächlich über einen warmen Geldregen freuen. Die Chancen, dass sich in den kommenden Jahren etwas tut, stehen nach Ansicht der Experten gut. Elfi Raunecker vom Amt für Landwirtschaft und Forsten, das mit der Betriebsleitung des Rimparer Waldes betraut ist, berichtete, dass derzeit die Waldfunktionspläne, die noch aus den 1980-er Jahren stammen, überarbeitet werden.

Die gesamte Präsentation von Leo Egg und der Forsteinrichtung finden Sie im Bürgerinfoportal