Markt Rimpar

Rimparer Landwirte und Biogasanlagenbetreiber unterstützen das Projekt „Bunte Biomasse – Ressource für Artenschutz und Landwirtschaft“

Wunderschön bunt blühende Felder, summende Bienen und zahlreiche andere Insekten sieht und hört man, wenn man derzeit durch die Rimparer Flur spaziert. Ab und an kann man den Tönen eines Rebhuhns lauschen oder es huscht ein Hase oder ein Reh vorbei. Wer genießt diesen Anblick nicht? Die bunten Felder sind ein Augenschmaus und oft ein beliebtes Fotomotiv für Groß und Klein. Die Bauern waren wieder fleißig und haben im Frühjahr neben Zuckerrüben, Getreide, Mais und vielen anderen Pflanzen mehrjährige Kulturen aus bis zu 25 verschiedenen Wild- und Kulturpflanzenarten an den Wasserschutzgebietsflächen ausgesät, insgesamt eine Fläche von 25 – 30 ha. Die zahlreichen bunten Blüten von Pflanzen wie Sonnenblume, Königskerze, Fenchel, weißer und gelber Steinklee, Malve, Eibisch und vielen anderen erfreuen nicht nur Wanderer und Radfahrer, sondern auch viele Tiere, wie Insekten oder Vögel. Sicher sind die schönen Wildblumenfelder schön anzuschauen, doch das ist bei weitem nicht alles.

Sie dienen der Biodiversität und was vielen gar nicht bewusst ist: sie besitzen ein sehr hohes Potenzial zur Stickstoffbindung und sind daher von enormer Bedeutung für den Wasserschutz. Die Rimparer Landwirte Helmut Emmerling, Marco Gelowicz und Robert Schömig bauen die Wildpflanzenkulturen im Rahmen des Projektes „Bunte Biomasse – Ressource für Artenschutz und Landwirtschaft“ an.

Begeistert von dem Konzept der Begrünung der Wasserschutzgebiete traf sich jüngst Rimpars Bürgermeister Bernhard Weidner mit MdB Paul Lehrieder, MdL Manfred Ländner, dem Leiter des AELF Harald Blankart, Werner Kuhn vom Netzwerk Lebensraum Feldflur, den Rimparer Landwirten Robert Schömig und Landwirt und Biogasanlagenbetreiber Helmut Emmerling um das Kooperationsprojekt der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbandes und der Deutschen Wildtier Stiftung persönlich vor Ort in Augenschein zu nehmen.

slz marrim bluehwiese buntebiomasse 2Foto: Angelika Cronauer

Begonnen hat alles mit einer Informationsveranstaltung mit dem Leiter des AELF Harald Blankart in der es um die Möglichkeiten des Wasserschutzes beim Anbau der Felder ging. Damals wurde das Ansäen von Gras präferiert. Werner Kuhn und Helmut Emmerling stellten dann Ende 2019 das Projekt „Bunte Biomasse“ dem Rimparer Marktgemeinderat vor, denn der Anbau der Wildpflanzenmischungen eignet sich zur Verwertung in der Biogasanlage. Für Rimpar, seine Landwirte und Biogasanlagenbetreiber ein interessantes Konzept, das dem Wasserschutz dienen soll und für alle eine Win-Win-Situation bietet.

Wie Kuhn damals in der Sitzung berichtete, werden die Veränderungen der landwirtschaftlichen Flächen aufgrund von immer größeren Schlägen, enger werdender Fruchtfolge bis hin zu Monokulturen und dem damit verbundenen Rückgang wildlebender Tiere, insbesondere klassischer Feldbewohner immer größer. Da der Mais als Nahrungsmittel, Viehfutter und zur Biogasproduktion verwendet werden kann, steigt dessen Fläche seit Jahren an und ist die mit Abstand häufigste Energiepflanze.

Zwar bringt der Mais mehr Ertrag, allerdings bedarf es bei seiner Zucht jährlicher Bodenbearbeitung, jährlicher Aussaat, mineralischer Düngung und Pflanzenschutz. Auch die Schäden durch Wildschweine sind größer.

Bei der Pflanzenmischung ist der Ertrag geringer. So liegt die durchschnittliche Ertragsleistung mehrjähriger Pflanzenmischungen zwischen 9 bis 15 t organischer Trockenmasse je Hektar. Die Methanausbeute je Tonne beträgt etwa 60 bis 70 Prozent von Maissilage. Allerdings ist die Mischung mehrjährig. Dies bedeutet: nur alle 5 Jahre muss neu angesät werden und es ist eine dauerhafte Bodenbedeckung gegeben, die keine Bodenbearbeitung sowie Neuansaat benötigt. Außerdem haben durch sie viele Insekten und Bodenbrüter im Frühjahr Nistmöglichkeiten und eine große Auswahl an verschiedenen Blüten. Und: sie produzieren eine beträchtliche Menge an Biomasse. Selbst nach der Ernte trägt der Anbau der Wildpflanzen z. B. im Winter mit seinem Bewuchs dazu bei, dass u.a. Niederwild, wie Rehe, Rebhühner, Feldhasen und Fasane, sowie Bodenbrüter Nahrung finden. Wie Kuhn weiter berichtete weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass im Vergleich zu herkömmlichen Biomassekulturen deutlich geringere Nitratausträge in tiefere Bodenschichten oder das Grundwasser stattfinden, da der Stickstoff in den Wurzelsystemen gebunden wird. Besonders von diesem Aspekt ist Bürgermeister Bernhard Weidner begeistert. Gerade in Wasserschutzgebieten und auf Ackerflächen mit hoher Wind- und Wassererosion bietet dieses Anbausystem so ein riesiges Vorsorgepotential zum Umweltschutz. Der Anbau mehrjähriger Wildpflanzenkulturen zur Biomassennutzung wird den Mais nicht komplett ersetzen können. Da der Ertrag und die Gasausbeute der Energieblühmischung nicht so hoch sind, bringen Landwirte und Biogasanlagenbetreiber weniger ein. Damit bei den Anbauern kein wirtschaftlicher Verlust entsteht, ist ein finanzieller Ausgleich notwendig.

In seiner Sitzung Ende 2019 hat der Rimparer Marktgemeinderat deshalb einstimmig einer entsprechenden Ausgleichszahlung zugestimmt.

Die Ernte der Wildpflanzenmischungen erfolgt mit der üblichen Technik. Die Organisation erfolgt durch die Betreiber der Biogasanlage E & W Biogas GbR mit Helmut Emmerling und Albin Wolz. Die Flächen werden typischerweise ab Ende Juli geerntet. Ab diesem Zeitpunkt ist die Gefahr für brütende Vögel oder andere Tiere deutlich geringer. Dafür, dass die Blumenwiese auch im nächsten Jahr wieder bunt erstrahlen kann, sorgt auch das ausgegärte Substrat, das nach der Düngeverordnung aus der Biogasanlage als natürlicher Dünger direkt wieder auf die Felder aufgebracht wird. Mineralischer Dünger ist so nicht mehr nötig. Also ein geschlossener Nährstoffkreislauf, der für aktiven Wasserschutz in Wassereinzugsgebieten sorgt.

Noch ist der Rimparer Landwirt Michael Keidel nicht beim Projekt dabei. Doch er findet es eine so wunderbare Sache für Natur und Umwelt, dass auch er schon nächstes Jahr mit einsteigen möchte.

 slz marrim bluehwiese buntebiomasse 1Foto: Nadja Kess