Markt Rimpar

Pogromgedenkstunde in schwierigen Zeiten

Seit 1990 gedenken die Rimparer am 9. November ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger. An der Gedenktafel im Schlosshof werden für die in der Shoah ermordeten Jüdinnen und Juden Kerzen entzündet, die Schüler der Abschlussklassen in den Rittersaal tragen und dort vor dem Foto von Julie Laßmann abstellen. Erfreulich und lobenswert, dass die Schüler der MS Pleichach-Kürnachtal freiwillig und trotz Schließung der Rimparer Mittelschule mit ihren Klassenlehrern und dem Schulleiter an der Veranstaltung teilnahmen und die langjährige Tradition fortsetzten. In der Begrüßung im Rittersaal ging Bürgermeister Bernhard Weidner auf die brisante Situation im Nahen Osten und den wachsenden Antisemitismus in Deutschland ein. Doch der Textinhalt der Gedenkstunde beschränkte sich auf das zweite Thema der Reihe „Feiern auf dem Lebensweg eines Juden bzw. einer Jüdin“, das Fest der Freude am Erwachsenwerden, der sog. Bar Mitzwa. Das Kennenlernen der Rituale und Besonderheiten der anderen Religion ist die wirksamste Vorbeugung für Ablehnung, Hass und Gewalt. Im Judentum gelten Jungen mit 13 und Mädchen mit 12 Jahren als erwachsen und sind in der Lage Verantwortung für das eigene religiöse Leben und für die Erfüllung der Gebote vor Gott und den Menschen zu übernehmen. Die Gedenkstunde informierte in Texten und Bildern den Ablauf der Bar Mitzwa- Feier in der Synagoge und im familiären Bereich. Auch in der Rimparer Synagoge feierte man während der 500-jährigen Geschichte der jüdischen Gemeinde vor Ort in dieser Art und Weise. Die letzten Bar Mitzwa-Feiern dürften diejenigen von Fritz Tannenwald, Walter Mayer und Bruno Benjamin Fleischhauer gewesen sein. Alle drei konnten mit ihren Eltern bereits kurz vor der Pogromnacht 1938 emigrieren. Ihr weiterer Lebensweg wurde geschildert. So verpflichteten sie sich in der neuen Heimat USA bzw. Palästina in der Armee und kämpften gegen das Hitler- Regime. Ben Fleischhauer überlebte die verlustreiche Landung in der Normandie. Er war einer der wenigen ehemaligen jüdischen Mitbürger, der nach dem Krieg Rimpar besuchte und sich für sein früheres Umfeld und die Synagoge interessierte. Die Veranstaltung war gut besucht. Die musikalische Gestaltung übernahmen Stefanie Zachmeier (Akkordeon) und Heinrich Filsner (Bass).

Text: Hanne Mintzel
Foto Karin Dietzsch
(v.l.n.r.)
Der Pfarrer der katholischen Kirche Dariusz Kruszynski, die evangelische Pfarrerin Ronja Vinzent, Schulleiter der MS Unterpleichfeld Jens Dietzsch, Eberhard Rothbauer, die stellvertretende Schulleiterin der MS Unterpleichfeld Anne Gröger-Durchholz, Margarete Busche, Bürgermeister Bernhard Weidner, Hannelore Mintzel, Steffie Zachmeier & Heiner Filsner.