Rimpar im 19. Jahrhundert (um 1800 – 1900)

Klassik, Romantik, Deutsches Kaiserreich

Rimpar im Wandel der Zeit

Als Auswirkung der französischen Revolution 1789 begann mit der Kriegserklärung Frankreichs 1792 an Österreich eine unheilvolle Kriegsperiode für unser Land, die erst im Jahr 1815 mit der Schlacht bei Waterloo und der endgültigen Niederlage Napoleons endete.

1796 stieß der französische General Jourdan mit 76.000 Mann in das fränkische Gebiet vor und besetzte Würzburg. Truppen mussten von der Bevölkerung  verpflegt werden, Franzosen zogen plündernd durch die Dörfer. 60 französische Dragoner hatten im Schlosshof in Rimpar ein Lager errichtet, forderten Nahrungsmittel, erpressten Geld und beraubten  Einwohner.

In der Schlacht von Würzburg bei Kürnach/Estenfeld/Maidbronn siegte Erzherzog Karl von Österreich über General Jourdan.

In der folgenden napoleonischen Zeit wurde Franken wiederholt Aufmarsch- und Rückzugsgebiet von Truppen mit den entsprechend schlimmen Folgen für die Bevölkerung wie Einquartierungen, Rekrutierung junger Männer, eingeforderte Verpflegung und Pferde, die unsere Dörfer an den Rand des Ruins brachten. So lagerten etwa im Jahr 1800  600 Soldaten 74 Tage in Rimpar, bayerische Kavallerie verbrachte 1802 drei Monate hier, 1805 rückten 800 Franzosen für 3 Tage ein, weitere Einquartierung französischer Soldaten erfolgte 1806, und 1813, als sich das Kriegsglück gegen Napoleon gewendet hatte, fielen 3000 Kosaken über Rimpar her, hielten Biwak hier und raubten Verpflegung. Als sie weiterzogen „waren die Tröge leer und 3 Bauern lagen erschlagen“. (Arnold 1965, S. 190)

Da Napoleon das Kurfürstentum Bayern als Verbündeten stärken wollte, war bereits im Februar 1802 zwischen Paris und München ein Übergang der fränkischen Bistümer, damit auch des Fürstbistums Würzburg, an Bayern vertraglich abgesprochen worden. Schon im Vorgriff besetzte Bayern dann diese militärisch. Die Reichskirche wurde entmachtet (Säkularisation 1803), Klöster und Kirchen aufgelöst und auch geplündert. So verbrachte man z.B. das prunkvolle fränkische Herzogsschwert des aus der Rimparer  Grumbach-Linie stammenden Fürstbischofs Johann III. (reg. 1455 – 1466) nach München, wo es Teil der Schatzkammer des Herrscherhauses der Wittelsbacher wurde.  Mit dem Frieden von Preßburg (Dezember 1805) wurde Bayern zum Königreich erhoben und das Fürstbistum Würzburg und damit auch Rimpar an Bayern abgegeben. Nach kurzem Besitzwechsel (noch 1806 in einem Ländertausch an Großherzog Ferdinand III. von Toskana) fiel es 1814 endgültig an das Königreich Bayern.

Anfang des 19. Jahrhunderts lebten drei Viertel der Bewohner Frankens von der Landwirtschaft,  wobei die Handwerker ebenfalls zumeist auf einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb angewiesen waren. Auch Rimpar war ein bäuerliches Dorf, die Haupterwerbsquellen bildeten der Ackerbau, die Viehzucht, die Forstwirtschaft und der Weinbau, der allerdings ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts durch Schädlinge und Pilzerkrankungen (Reblaus und Mehltau) drastisch zurückging.

Durch Missernten (1816/17), Hungersnöte (1846/47) und restriktive Gesetze (z.B. fehlendes Recht auf freie Niederlassung; Verheiratung nur mit staatlicher Erlaubnis bei Grundbesitz-  bzw. Vermögensnachweis oder gesicherter Anstellung – Knechte, Mägde, Dienstboten konnten somit keine Ehe schließen) kam es zu einer Auswanderungswelle.

Zwischen 1844 und 1850 gingen aus Rimpar u.a. drei Söhne des jüdischen Bürgers Abraham Löw Lehmann nach Amerika und bauten in Montgomery/Alabama die Firma „Lehman-Brothers“ auf. Später wurde der Firmensitz nach New York verlegt und dort das bekannte gleichnamige Bankhaus gegründet.

In Rimpar war die Kirche in schlechtem baulichen Zustand und es herrschte eine schon lange währende Raumnot – die Bevölkerung war bis 1843 auf über 1700 Personen angewachsen. Nach fast sechsjährigem zähen Kampf gegen die Behörden, aber auch gegen Widerstände aus der Gemeinde, erreichte Pfarrer Michael Müller, dass von 1849 – 1854 der Bau der neugotischen Kirche in Rimpar erfolgte. Dabei wurde die ursprüngliche West-Ost-Richtung aufgegeben und die neue Kirche nach Süden ausgerichtet. Der gotische Chorraum aus dem Spätmittelalter im Glockenturm blieb erhalten und man stellte nach dem Abriss der alten Grumbachgrablege  die noch erhaltenen Grabmale darin auf, darunter das erste bekannte Werk Tilman Riemenschneiders. Leider hatte man die ehemals 14 Grumbachischen Grabmäler bereits als Bauschutt entsorgt und nur die Hälfte konnte gerettet werden.

Auch die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Rimpar wurde zu dieser Zeit, 1852, renoviert und erweitert (Treppenturm).

Allmählich erfolgte ein Übergang vom Agrar- zum Industriestaat, der für die einfachen Arbeiter und Taglöhner allerdings vielfach auch Entbehrungen und Armut brachte.

Die Industrialisierung veränderte das Leben vieler Menschen grundlegend. Es entstand ein Bedürfnis nach neuen Formen des Zusammenhaltes und der Freizeitgestaltung. Auch wollte ein aufstrebendes Bürgertum mehr Selbstbestimmung und kulturelle Teilhabe außerhalb staatlicher oder kirchlicher Strukturen. So wurden um die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Vereine gegründet, auch in Rimpar z.B. 1861 der Liederkranz und 1885 der Schützenverein (Schützengilde).

1854 wurde Würzburg an das bis dahin bestehende Eisenbahnnetz angeschlossen. Das gängige Beförderungsmittel für Rimpar bis 1907 war allerdings die Postkutsche, mit Station am „Gasthaus zum goldnen Hirschen“ (auch „Gasthaus zum Hirschen“, später „Zur Post“). Sie wurde dann durch das Postauto ersetzt.

1866 brachte der „Bruderkrieg“ zwischen Österreich/Bayern und dem letztendlich siegreichen Preußen um die Vorherrschaft im deutschsprachigen Raum erneut Einquartierungen von Truppen in Rimpar und damit entsprechende Belastungen für die Bevölkerung und die Gemeindekasse.

Am 19. Juli 1870 brach der Deutsch-Französische Krieg aus, da Frankreich eine Einigung der verschiedenen deutschen Staaten unter Führung Preußens fürchtete und seine Vormachtstellung in Europa gefährdet sah. Der Krieg endete 1871 mit einem Sieg des deutschen Staatenbundes und der Proklamation des Preußenkönigs Wilhelm I. zum deutschen Kaiser. Bayern wurde nun Teil des neuen „Deutschen Kaiserreiches“ (1871 – 1918).

Als Andenken an diese beiden Kriege wurde in Rimpar 1903 ein Ehrenmal errichtet, das die Namen der Kriegsteilnehmer, einschließlich der drei gefallenen Soldaten, enthielt und vor der Kirche aufgestellt wurde. 1952 versetzte man  es in den alten Friedhof.

Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland, auch Rimpar wandelte sich. Mehrere Ziegelfabriken wurden gegründet („Ziegelhütten“), aus dem „bäuerlichen“ Rimpar wurde allmählich ein Maurerdorf. Dies auch aufgrund einer wachsenden Bevölkerung. Die landwirtschaftlichen Höfe waren durch Erbteilung immer kleiner und unrentabler geworden.

1887, am 2. Mai, wurde Rimpar von einem schlimmen Unwetter heimgesucht, das der damalige Forstmeister Ley, der einen Hilfeaufruf für die Bewohner verfasste, so beschrieb: „Ein Wolkenbruch fiel auf der Flurmarkung nieder. Die Fluten wälzten sich zu Tal, verheerten Äcker und Weinberge, setzten einen großen Teil der 2347 Seelen zählenden Ortschaft unter Wasser und Schlamm, rissen Gebäude und Mauern ein, schwemmten Mobilien fort, erstickten das Vieh in den Ställen und beschädigten sogar den Straßenkörper an mehreren Stellen.“ (Hamberger, 1995, S. 3)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erkannte man in der königlich-bayerischen Regierung  die Notwendigkeit einer Reform des Bildungswesens, insbesondere den Bedarf an neuen Schulen.

In Rimpar hatte man schon 1820 ein „neues Schulhaus“ zwischen Kirche und Friedhof errichtet.  1865 erfolgte die Einrichtung einer Mädchenschule („Schwesternschule“) im ehemaligen Echterschen Lust- und Gartenhaus in der Niederhoferstraße. 1874-76 wurde schließlich die Knabenschule in der Hofstraße erbaut.

 

Hans Winzlmaier

Literatur:

Arnold, Alfons: Rimpar im Schein der Fürstenherrlichkeit, Rimpar 1965

Arnold, Alfons: Rimpar, im Lichte der Gegenwart, Rimpar 1969

Dusel, Günter / Mais, Martin: Im Wandel der Zeit, Würzburg/Burggrumbach 2014

Hamberger, Edwin: Das alte Rimpar, Maidbronn und Gramschatz, Rimpar 1995

Kolb, Peter / Krenig Ernst-Günter (Hrsg): Unterfränkische Geschichte Band 4/1, Würzburg 1998

Mintzel, Hannelore: Die unbekannte Welt von nebenan – Rimparer Häuser, Rimpar 2022

Zürrlein, Richard: Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul Rimpar, Kunstführer, München, 1988

Internetquellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers, 30.03.2025

https://www.alemannia-judaica.de/rimpar_synagoge.htm#Zur%20Geschichte%20der%20jüdischen%20Gemeinde, 30.03.2025

https://wuerzburgwiki.de/wiki/Fr%C3%A4nkisches_Herzogsschwert, 09.07.2025

Rimpar – Marktplatz; Lithografie 19. Jahrhundert;
Foto: Hans Winzlmaier

Rimpar – „Gasthaus zum Hirschen“; Lithografie 19. Jahrhundert;
Foto: Hans Winzlmaier

Rimpar – Ziegelhütte Josef Schömig an der Bachgasse; Lithografie 19. Jahrhundert;
Foto: Hans Winzlmaier