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Einen „recht schönen, bewegenden und besonderen Tag“ in München haben das Ehepaar Alfred und Lucia Stark und ihr Sohn Simon aus Gramschatz erlebt. Im festlichen Rahmen
übergab ihnen Staatsministerin Michaela Kaniber vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den „Staatspreis 2021 für vorbildliche Waldbewirtschaftung“.
Dieser Staatspreis wird alle zwei Jahre an engagierte, verantwortungsbewusste und vorausschauende Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer verliehen.

In diesem Jahr ehrte der Bayerische Staat 14 Privatwaldbesitzer, körperschaftliche Forstbetriebe oder forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse in allen Regierungsbezirken. In Unterfranken bekam außer Familie Stark (Landkreis Würzburg) die Gemeinde Bastheim (Landkreis Rhön-Grabfeld) die besondere Auszeichnung.

„Der Staatspreis würdigt in besonderem Maß das langjährige und persönliche Engagement der Preisträger in ihren Wäldern“, lobte Ministerin Kaniber beim Festakt in der Münchner Residenz. Angesichtes des Klimawandels brauche es einen Schulterschluss und einen Kraftakt aller 700 000 bayerischen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Die Preisträger hätten in außergewöhnlicher Weise die Mammutaufgabe Waldumbau angepackt.

„Heute für den Wald von morgen“, so hieß das Motto dieses Preisträgerjahres. Der Bayerischen Staatsregierung geht es dabei um den Aufbau klimastabiler Zukunftswälder. Durch das Pflanzen klimatoleranter Bäume, die Pflege ihrer Wälder und die Vermarktung des heimischen Öko-Rohstoffes Holz werde ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet und gleichzeitig die grüne Lunge für künftige Genrationen erhalten, so Ministerin Kaniber.

Der „Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung“ ist mit einer Urkunde, der Staatsmedaille und einem Preisgeld von 1000 Euro verbunden. Das Geld will Familie Stark in neue Bäume für ihren vier Hektar großen Privatwald investieren. „Dass wir mit unserem bisschen Wald einmal in ganz Bayern so bekannt werden, hätten wir niemals gedacht“, kommentiert Alfred Stark die Auszeichnung. Damit stapelt er tief. Als er und seine Familie mit dem Umbau ihres Waldes anfingen, waren die Themen Klimawandel und Fortumbau noch nicht in aller Munde so wie heute. Die hohe Waldgesinnung liegt seit Generationen in der Familie. Alfreds Vater kaufte schon immer Wald dazu, wenn sich die Möglichkeit ergab. Von Kindesbeinen an war Alfred in die Waldpflege eingebunden. Das hielt er auch bei seinen beiden Söhnen Philipp und Simon nicht anders.

2004 begannen Alfred und Lucia Stark mit dem einschneidenden Waldumbau. Das lag daran, dass ältere Fichten zunehmend unter Windbrüchen und Borkenkäferbefall litten. Als die Kieferaufforstung durch einen Eisregen zerstört wurde, pflanzte Familie Stark nicht nur Eichen oder Buchen nach. Die heimischen Baumarten wurden ergänzt mit Mammutbäumen, der Küstentanne oder Schwarznuss. Später kamen Esskastanien, Baumhaseln und Platanen dazu.

                                                                                                                                  Foto Antje Julke

Alfred Stark ist mittlerweile Rentner. Er freut sich, dass sich insbesondere sein Sohn Simon um die Wiederaufforstung kümmert. Simon lebt heute zwar in Mannheim, aber sein erster Weg bei den Besuchen in Gramschatz führe immer in den Wald. „Mein Waldinteresse ist 2007 wieder erwacht, als ich für meine Diplomarbeit in Kanada unterwegs war“, erläutert Simon Stark.

Im Gramschatzer Wald arbeitet Familie Stark mit Revierleiter German-Michael Hahn zusammen. Der Förster ist bekannt dafür, dass er gerne experimentiert. Sein Faible für den Waldumbau stieß bei Simon Stark auf offene Ohren. Er teilte seine Waldfläche in ein Schachbrett ein und wollte jeweils 30 verschiedene Baumarten einbringen. „Am Ende einigten wir uns auf 16 Arten, die das Amt fördern konnte“, sagt Förster Hahn. Im Wald der Familie Stark ist spürbar, dass hier die Liebe zum Wald, Familientraditionen, die Sorge um den Klimawandel, waldbauliches Wissen und geobotanisches Interesse zusammen kommen und mit den beiden interessierten Söhnen die Zukunft handfest ist. Durch konsequente und umsichtige Waldpflege hat Familie Stark  mittlerweile schöne und zukunftsfähige Waldbestände geschaffen.

Abteilungsleiterin Anje Julke vom AELF Kitzingen-Würzburg lobt es besonders, dass alle Familienmitglieder ihre waldbauliche Überzeugung und ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit teilen. Sie hätten mittlerweile einen reichen Erfahrungsschatz mit verschiedenen Baumarten. Ihr Wissen geben sie weiter, beispielsweise auf der Landesgartenschau in Würzburg im Jahr 2018 oder fortwährend im nahen Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald. Lucia Stark sieht den Wald als Generationenvertrag und Familienangelegenheit. Simons Steckenpferd seien die Platanen mit seinem schönen Holz geworden. Philipp und Alfred profitieren in ihren Nachbarhöfen von der Heizung mit Holz und setzen zudem auf Solarenergie. Die zukunftsfähige Waldbewirtschaftung wird bei Familie Stark weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Text Irene Konrad

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