Markt Rimpar

Kriminal-Museum - das Gefängnis im Mittelalter 

Steigt man in das Grumbach-Gefängnis hinab, beschleicht einen ein etwas mulmiges Gefühl. Zahlreiche Namen, Monogramme, Jahreszahlen und Strichmännchen sind auf dem Wandputz aus dem 17. Jahrhundert noch zu sehen.

Sie wurden von den unglücklichen Gefangenen eingeritzt, die auch mit Strichkalendern die Tage zählten, die sie im Kerker verbringen mussten. Besonders beeindruckend ist ein eingeritzter Galgen – eine kulturhistorische Rarität, die darstellt, was vielen Gefangenen bevorstand.

Im Mittelalter dienten häufig Burgverliese, Keller von Rathäusern oder Türme als Gefängnisse. Daraus entwickelte sich auch die Redewendung vom „türmen“.
Im 16. Jahrhundert hatte das Schloss Grumbach wohl 18 Gefängnisse. Sie waren in den Untergeschossen der 10 Türme des Schlosses untergebracht. Insgesamt sind davon noch acht erhalten. Drei können im Torwärterturm von oben besichtigt werden. Besonders interessant ist das Grumbach-Gefängnis. Im ehemaligen Wehrturm, der nach den eingeritzten Zahlen zu urteilen wohl im 17. Jahrhundert zum Gefängnisturm umfunktioniert wurde, befanden sich drei übereinanderliegende Gefängnisse.

Doch wie wurden die Gefangenen in das Grumbach-Gefängnis gebracht? Das erste Untergeschoss konnte doch nur über eine Falltür und eine Leiter begangen werden. Die Lösung war eine Seilrolle, die an der ursprünglichen Gewölbedecke im ersten Untergeschoss über der Einstiegsöffnung angebracht war. An dem einen Seilende wurde ein Prügel befestigt, auf den sich der Gefangene setzen musste. Dann wurde er in die Tiefe gelassen.
Ein in die Wand eingelassener Ring im zweiten Untergeschoss diente wohl zum Anketten des Gefangenen. Das dritte Untergeschoss lag bereits früher unter dem historischen Geländeniveau. Für die Luftzufuhr war eine schräg nach oben verlaufende Röhre angebracht. Während im ersten Untergeschoss durch die Schießscharten wenigstens etwas Licht einfiel, war es in den beiden unteren Stockwerken absolut dunkel. Die Verpflegung bestand meist aus Wasser und Brot. Es gab keine Heizung, kein Bett, keine Toilette, dafür faulendes Stroh.

Gefängnisstrafen waren im Mittelalter nur in Ausnahmefällen üblich. Das Gefängnis diente nicht nur zur Untersuchungshaft und zur Verwahrung von Gefangenen, die hingerichtet werden sollten, sondern auch für Verurteilungen zur Kerkerhaft, die sehr lange dauern konnte. Ein Indiz hierfür ist der schon oben genannte Ring im 2. Untergeschoss. Insbesondere bei Lösegeldforderungen wurde der Gefangene in einem Turm inhaftiert. Er kam erst dann frei, wenn das Lösegeld übergeben wurde. So hat Konrad von Grumbach einen Bauern ins Gefängnis gesteckt um ihm 500 Gulden abzupressen.
Ins Gefängnis kamen die Männer zu dieser Zeit aber auch aus anderen Gründen wie Betrug, moralischer Vergehen oder Diebstahl. Letzteres hatte im Mittelalter oft schwerwiegende Folgen. Das Leben der Diebe endete meist am Galgen. Neben vielen weiteren Strafen gab es für leichte Vergehen, z.B. den "Schandesel". Der "Esel" bestand aus einem hölzernen Gestell. Es hatte einen Eselskopf aus Stroh, manchmal eine Schwanzquaste. In einigen Ausführungen wurde der Rücken des Esels aus scharfkantigem Eisen gefertigt. Die Delinquenten wurden auf diesen "Esel" gesetzt. Je nach Schwere ihres Vergehens wurden ihnen dann noch Gewichte an die Füße gebunden. Die "Schandesel" standen meist auf den Markt- bzw. Hauptplätzen.

Im Gegensatz zu den Männern kamen Frauen deutlich seltener in Gefangenschaft. Sie wurden bei Vergehen oft ins Kloster geschickt, da man sie schlecht in die Obhut von Wachsoldaten geben konnte.

Noch mehr Interessantes über die Gerichtsbarkeit des späten Mittelalters findet sich in der kleinen Dauerausstellung zur Gerichtsbarkeit des späten Mittelalters im Kriminalmuseum.

Ansprechpartner für Museums-Führungen ist der Vorsitzende des Freundeskreises Schloss Grumbach e.V., Edwin Hamberger, Tel: 09365 -9245.

Mehr Infos, auch zu den Öffnungszeiten der Museen, gibt es unter www.schloss-grumbach.de 

Blick hinab in das Burgverlies

Blick hinab in das Burgverlies

 

­