Spuren vergangener Jahrtausende

Vor- und frühgeschichtliche Siedlungen in der Gemarkung Rimpar
(5500 v. Chr. – ca. 700 n. Chr.)

Rimpar im Wandel der Zeit

Die früheste Besiedelung im Bereich der Gemarkung Rimpar erfolgte zu Beginn der Jungsteinzeit (Frühneolithikum). Erste Bauern und Viehzüchter wanderten ein und ließen sich in der heutigen Flur „Hinter der Kirche“ nieder. Nach den Verzierungen ihrer  Gefäße (umlaufende Linien und Bänder, später mit Einstichen und weiteren Zierelementen versehen) wird diese Zeit als Linearbandkeramik oder nur Bandkeramik (5500 – 4900 v. Chr.) bezeichnet.

Neben im Durchschnitt 25 m langen und 6 m breiten Häusern, in Pfostenbauweise mit Flechtwerk- und teils Spaltbohlenwänden errichtet, ist die Verwendung von Steinwerkzeugen aus hartem Felsgestein (Amphibolit) und Silexgestein (Feuerstein) mit einem typischen Formenspektrum charakteristisch für diese Zeit: geschliffene Querbeile und hoch gewölbte Steinkeile – sogenannte „Schuhleistenkeile“, in späterer Zeit durchbohrte Äxte und Scheibenkeulen, sowie Sichelklingen, Bohrer, Kratzer und Pfeilspitzen. Die Verstorbenen begrub man seitlich liegend mit angewinkelten Beinen, in Hockstellung, oft mit Keramikgefäßen und Steingeräten als Beigaben.

In Rimpar fanden bereits 1913 und 1914 Ausgrabungen des „Generalkonservatoriums der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns“ unter Prof. Dr. Hock statt. Beim Bau der Maximilian-Kolbe-Schule, 1970, barg Schulrat Alfons Arnold zahlreiche Keramikscherben, u.a. die Überreste eines rekonstruierbaren, großen Vorratsgefäßes mit einem Fassungsvermögen von etwa 50 Litern, Mahl- und Reibsteine, viele Hüttenlehmbrocken, Tierknochen und eine Hockerbestattung.  Ab 1980 fand Hans Winzlmaier bei seinen Feldbegehungen im Bereich der noch verbliebenen Siedlungsfläche neben etlichen Steingeräten und Keramiküberresten die Tonscherbe eines Kultgefäßes mit der äußerst seltenen  Darstellung eines menschlichen Gesichts – das älteste „Porträt“ aus Rimpar. Es stellt vermutlich eine Fruchtbarkeitsgöttin oder einen verehrten Ahnen dar.

Nach dem Ende der linearbandkeramischen Kultur sind in Rimpar keine weiteren steinzeitlichen Siedlungen sicher nachweisbar. Vereinzelte Scherben und wenige Bruchstücke von Steingeräten aus nachfolgenden Epochen (Mittelneolithikum und Jungneolithikum) lassen nicht auf eine beständige, dauerhafte Besiedelung schließen.

Auch die Entdeckung eines Frauengrabes aus der endjungsteinzeitlichen Kultur der Schnurkeramik (ca. 2800 – 2300 v. Chr.), im Zuge einer Erweiterung der Gasverdichterstation „Alte Würzburger Straße“ im Jahr 2020 (Flur 3. Teicht), erbrachte keine Hinweise auf eine dazugehörige Siedlung dieser Zeit.

Während sich für die nachfolgende Bronzezeit (um 2000 – 1200 v. Chr.) und Urnenfelderzeit (1200 – 800 v. Chr.) in unserer Nachbarschaft Belege finden lassen (u.a. ein Grabhügelfeld im Gramschatzer Wald nahe Erbshausen), gibt es auch hier keinen sicheren Siedlungsnachweis für Rimpar.

Erst mit der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit 800 – 450 v. Chr.) ändert sich das. Beim Bau einer Scheune, 1929 im heutigen Bereich „Krautäcker“, wurden zwei Schalen, diverse Scherben, Hüttenlehm, 1 Metalldolch sowie zwei Grabstätten und menschliche Knochen geborgen, was eine Besiedelung durch inzwischen hier ansässige  Kelten  zeigt. Auch findet sich auf Rimparer Gemarkung in der Flur „Reuterlein“ ein Grabhügel mutmaßlich aus dieser Zeit, der allerdings schon um 1900 geöffnet wurde. Leider sind keine näheren Informationen dazu bekannt. Nicht auf Rimparer Gemarkung liegen zwei große Grabhügelfelder der Hallstattzeit im Gramschatzer Wald.

Ein keltisches Hiebmesser, gefunden in der Gemarkung Maidbronn und Siedlungsfunde in umliegenden Gemeinden zeigen, dass auch in der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit 400 – 15 v. Chr.) unsere Gegend von Kelten bewohnt war.

Das Ende der Epoche der Kelten (um 15. v. Chr.) ist bei uns gekennzeichnet durch das Einströmen von Germanenstämmen, zunächst Alamannen und Thüringer, schließlich die Franken.

Mit der Ausbreitung der Franken im Frühmittelalter (Merowingerzeit, etwa 481 – 751 n. Chr.) findet sich durch die Entdeckung zweier Gräber aus dem 7. Jahrhundert (freigelegt 1924 und 1966 im Bereich der Günterslebener Straße) dann der Hinweis auf eine fränkische Siedlung. In dieser Zeit entstand wohl auch der Ortsname „Rintburi“ bzw. „Rimpure“. Er bezeichnet einen Viehstall, wohl mit einer dazugehörigen Siedlung, die offensichtlich dauerhaften Bestand hatte und dann nachweislich datierbar erstmalig 1126 schriftlich erwähnt wurde.

Hans Winzlmaier

 

Literatur:

Arnold, Alfons: Rimpar im Schatten der Burg, Rimpar 1964

Arnold, Alfons: Nomen est Omen, Rimpar 1963

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Schloss Seehof: Ortsakte Rimpar

Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. (Hrsg): Archäologie in Bayern – Fenster zur Vergangenheit, Regensburg 2006

Pescheck, Christian: Vor- und Frühzeit Unterfrankens, Würzburg 1961

Rufflar, Ingrid (Hrsg): Rimpar – Hinter der Kirche, Selbstverlag 2002

Winzlmaier, Hans: Spuren vergangener Jahrtausende – Zur Vorgeschichte von Rimpar, Gramschatz und Maidbronn, Rimpar 2021

Rimpar – „Hinter der Kirche“ : Kumpf der frühen Jungsteinzeit, 5500 – 4900 v. Chr.;
Foto: Hans Winzlmaier

Rimpar – „Hinter der Kirche“: frühjungsteinzeitliche Gesichtsdarstellung, h=4,1  cm, 5500 – 4900 v. Chr.;
Foto: Hans Winzlmaier;
Zeichnung: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Ortsakte Rimpar, L. Holzner

 

Rimpar – Gasverdichterstation, Flur „3. Teicht“: Bestattung am Ende der  Jungsteinzeit, ca. 2800 – 2300 v. Chr., entdeckt 2020;
Foto: Hans Winzlmaier